Kunststücke

Day 1 of 7 • This day’s reading

Devotional

Es ist eines der bekanntesten Gleichnisse in der Bibel. Ein Sohn möchte nicht mehr abhängig von seinem Vater sein und lässt sich sein Erbe auszahlen. Dieses Gleichnis spiegelt unser Menschsein wieder. Oft genug wollen wir unabhängig von Gott leben. Nichts mit ihm zu tun haben. Doch inmitten der Gottesferne kann man feststellen, wie sehr man sich Liebe, Zuneigung und Annahme wünscht. Die Herausforderung für uns Menschen ist es, nun umzukehren und nach Hause zu kommen. 

Auch Rembrandt versuchte diese spannende Szene der Wiederaufnahme in seinem Gemälde „Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“ (1663-1669) einzufangen. Der Vater umschließt seinen zerlumpten Sohn, wobei man dessen Gesicht nicht erkennen kann. Dadurch kann man sich selbst mit dem jüngeren Sohn identifizieren: Ich kann Annahme finden, obwohl ich einige Fehlentscheidungen getroffen habe. Dem Vater ist die damalige Etikette egal. Seine Liebe zu seinem Sohn ist größer, als der Anspruch Anstand und Rang zu wahren. 

Doch merkt man auch die Spannung, die in diesem Bild verarbeitet ist. Zwar sind sich Vater und jüngerer Sohn nahe, aber der ältere Sohn steht abseits und distanziert sich. Er hält Abstand und betrachtet die Szene. 

Rembrandt gibt mit seinem Bild die Möglichkeit, sich in die einzelnen Personen hinein zu denken: Bin ich der jüngere Sohn, der Vergebung empfangen möchte? Bin ich vielleicht der Vater, der verletzt wurde und der darum anderen vergeben sollte? Oder bin ich der ältere Sohn, der sich benachteiligt fühlt und deshalb auf Abstand geht?