1. TimotheusbriefBeispiel

Paulus ermutigt besonders die Männer zum öffentlichen Gebet in der Gemeinde. Vielleicht war es damals auch schon so, dass Männer das Beten Frauen überließen und sich lieber mit praktischen Dingen beschäftigten. Zorn und Zweifel nennt Paulus hier als männliche Gebetsblockierer:
- Zorn meint einen Gemütszustand, der von Wut und Vorurteilen geprägt ist.
- Zweifel meint Überlegungen, die von Skepsis und Streitsucht geprägt sind.
Diese Haltungen verhindern das schlichte, glaubensvolle Gebet und das konkrete Rechnen mit der Wirkung der Fürbitte. Die Männer sollen ihren Blick nach oben richten und sich nicht verstricken lassen in die Aufregungen des täglichen Lebens.
In Vers 9-10 widmet Paulus sich Gebetshindernisse von Frauen. Offensichtlich war es damals so, dass die schwache Seite der Frauen in der Überbetonung der äußeren Erscheinung bestand. Sie waren mehr mit sich selbst beschäftigt als mit Gott. Paulus wendet sich hier nicht generell gegen ein geschmackvolles Äußeres, sondern betont die Verhältnismäßigkeit der äußeren Erscheinung zum inneren Wesen - ähnlich wie Petrus in 1. Petrus 3,1-5. Natürlich können auch Männer eitel sein, aber wahrscheinlich ist die Betonung des Äußeren eher eine Herausforderung für Frauen.
Der folgende Abschnitt (Vers 11-15) wird häufig als Lehrverbot für Frauen bezeichnet und ist ein kontroverses Thema in Gemeinden mit unterschiedlichen Auslegungen. Vermutlich gab es damals Frauen, die aufgrund von Irrlehren (vgl. Kapitel 1,3-11) nach Führungspositionen in der Gemeinde strebten mit dem Ziel, über die Männer zu herrschen. Dabei vernachlässigten sie ihre familiären Pflichten oder heirateten erst gar nicht, da dies dem Ideal der Irrlehrer entsprach (vgl. Kapitel 4,3). Entscheidend für die Auslegung ist, ob man den Schwerpunkt auf die historische Situation legt, oder ob man Vers 12-13 als allgemeingültiges Schöpfungsprinzip versteht, denn Paulus argumentiert hier mit dem Sündenfall. Je nach Auslegung hat es weitreichende Konsequenzen für die Gemeindepraxis.
Wer Paulus hier männlichen Chauvinismus vorwirft, sollte bedenken, dass die Anweisung an die Frauen, zu lernen (Vers 11), für damalige Verhältnisse revolutionär war. Leider missbrauchen manche Männer diese Stelle als Machtmittel, um ihre zweifelhafte Einstellung gegenüber Frauen zu rechtfertigen.
Zum Nachdenken:
Zum Gottesdienst gehört das Beten. Es geht nicht darum, ein Programm abzuspulen, sondern aufmerksam auf Gottes Stimme zu hören. Ob beim Beten oder im Lobpreis - entscheidend ist, mit dem Herzen dabei zu sein und alles, was hindern will, abzugeben an Jesus.
Fragen zum Austausch:
Welche Hindernisse gibt es heute beim Beten? Ist das bei Männern und Frauen unterschiedlich? Gibt es eine "Strategie", um Hindernisse zu überwinden?
Die Heilige Schrift
Über diesen Leseplan

Der 1. Brief des Paulus an seinen geistlichen Sohn Timotheus ist ein Muster der Ermutigung, im Glauben vorwärts zu gehen. Das gilt nicht nur für Leiter, sondern für jeden, der seine Gaben, die ihm Gott geschenkt hat, entfalten will. Der Plan führt in 12 Tagen durch diesen spannenden Brief.
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Wir möchten uns bei Route 66 - Quer durch die Bibel für die Bereitstellung dieses Plans bedanken. Weitere Informationen finden Sie unter: www.ewaldkeck.de