Die Schrift studierenBeispiel

Übertreibung, Metapher und Personifizierung
Eine ordnungsgemäße Bibelauslegung erfordert, dass wir beim Lesen einer Bibelstelle grundlegende literarische Formen berücksichtigen. Gestern haben wir uns mit der Verwendung phänomenologischer und anthropomorpher Sprache in der Bibel befasst. Heute werden wir uns drei weiteren grundlegenden literarischen Formen zuwenden, die in der gesamten Heiligen Schrift zu finden sind.
Übertreibung. Eine Übertreibung, oder auch Hyperbel genannt, ist eine absichtlich überspitzte Darstellung, die verwendet wird, um eine Aussage zu verdeutlichen. Nicht zu verwechseln mit einer Lüge oder einer Verzerrung, denn der Redner erwartet von seinem Publikum, dass es versteht, dass er die Wahrheit übertreibt, um einen Punkt zu verdeutlichen – und nicht, dass er eine konkrete Tatsachenerklärung abgibt. Ein klares Beispiel für Übertreibungen in der Heiligen Schrift ist Jesu Gleichnis vom Senfkorn (Matthäus 13,31–32). In diesem Gleichnis sagt Er, dass das Senfkorn das kleinste aller Samen ist. Es ist jedoch bekannt, dass es Samen gibt, die kleiner sind als das Senfkorn. Wenn wir also die Verwendung von Übertreibungen nicht verstehen, könnten wir denken, dass Jesus einen Irrtum lehrt. Die Übertreibung zeigt jedoch, dass es Jesus in diesem Gleichnis nicht in erster Linie darum geht, eine präzise botanische Tatsache darzulegen. Er weist vielmehr darauf hin, dass das Reich Gottes sehr klein beginnt, sich aber zu etwas sehr Großem entwickeln wird.
Metapher. Die metaphorische Sprache führt implizite Vergleiche durch, indem sie ein Wort oder eine Phrase aus seinem Bedeutungszusammenhang in einen anderen überträgt. Ein Beispiel dafür in der Bibel ist, wenn Jesus über sich selbst sagt: „Ich selbst bin die Tür, die zu den Schafen führt“ (Johannes 10,7). Mit dieser Aussage lehrt Jesus nicht, dass Er aus Holz ist und Scharniere hat und dergleichen. Er verwendet das Wort „Tür“, um Seinen Jüngern zu zeigen, dass Er der Eingang zur Gegenwart Gottes ist, ähnlich wie normale Türen Eingänge zu verschiedenen Räumen und anderen Bereichen sind.
Personifizierung. Personifizierung liegt vor, wenn persönliche Beschreibungsformen für unpersönliche Dinge verwendet werden. Wenn wir unmenschlichen Dingen menschliche Eigenschaften verleihen, nennt man das Personifizierung. Ein gutes Beispiel dafür ist Jesaja 55,12. In diesem Vers geht es um singende Berge und klatschende Bäume. Offensichtlich glaubt Jesaja nicht, dass die Berge buchstäblich singen oder die Bäume buchstäblich klatschen werden. Vielmehr nutzt er seine poetische Freiheit, um die enorme Freude, die die ganze Welt erleben wird, wenn das Volk Gottes Buße tut und sich wieder dem Herrn zuwendet, anschaulich zum Ausdruck zu bringen.
Coram Deo Leben im Angesicht Gottes
Viele Kritiker lesen die Bibel anders als andere Bücher. Daher werden Passagen wie Matthäus 13,31–32 manchmal fälschlicherweise als Beispiele für Fehler angesehen. Erinnere diese Kritiker daran, dass die Bibel ein literarisches Werk ist und wir sie, wie andere Werke auch, mit Übertreibungen, Metaphern und Personifizierungen im Hinterkopf lesen müssen.
Die Heilige Schrift
Über diesen Leseplan

Die Bibel ist so geschrieben, dass jeder Mensch sie lesen und ihre wesentliche Bedeutung verstehen kann. Aber wenn Gottes Wort nicht mit Sorgfalt behandelt wird, können die Worte der Wahrheit falsch ausgelegt werden und Verwirrung stiften. Dieser 5-tägige Leseplan bietet Werkzeuge und Methoden für die Praxis der Hermeneutik: die Wissenschaft der biblischen Auslegung.
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