° Es lebte einmal ein reicher Mann, der sich immer mit der allerteuersten purpurfarbenen Kleidung und den feinsten Leinengewändern kleidete. Dabei ließ er es sich so richtig gut gehen und lebte in Saus und Braus. ° Gleichzeitig lebte direkt vor seiner Haustür ein armer Mann namens Lazarus. Sein Körper war völlig mit Geschwüren übersät. ° Er hoffte immer darauf, sich so richtig satt essen zu können an den Essensresten, die vom Tisch des reichen Manns herunterfielen. Stattdessen kamen die Hunde und leckten auch noch an seinen Wunden. ° Schließlich geschah das: Der Arme starb und wurde von den Engeln Gottes in den väterlichen Schoß Abrahams getragen. Dann starb auch der Reiche und wurde beerdigt. ° Als er in der Unterwelt war, wo er große Qualen erlitt, blickte er nach oben und sah von Weitem Abraham, der Lazarus in seine Arme geschlossen hatte. ° Da rief er: ›Abraham, Vater, hab Mitleid mit mir und schicke Lazarus! Er soll nur seine Fingerspitze in Wasser tauchen und damit meine Zunge benetzen! Denn ich leide sehr in diesem Feuer!‹ ° Aber Abraham antwortete: ›Kind, erinnerst du dich daran, wie du so viel Gutes in deinem Leben erfahren hast und Lazarus genauso viel Schlechtes. Nun wird er hier getröstet, während du leidest. ° Und außerdem klafft zwischen uns und euch eine gewaltige Kluft. Selbst die, die von hier zu euch hinübergehen wollen, können das nicht, und genauso wenig kann einer von dort hierher zu uns gelangen.‹ ° Da sagte der reiche Mann: ›Dann bitte ich dich, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters zu meiner Familie sendest. ° Denn ich habe noch fünf Brüder. Die soll er aufrütteln, damit sie nicht auch noch an diesen Ort der Qual kommen!‹ ° Doch Abraham antwortete: ›Sie haben doch die Bücher von Mose und den Propheten! Die sollen sie ernst nehmen!‹ ° Da sagte er noch einmal: ›Nein, Vater Abraham! Sondern, wenn jemand von den Toten wieder zu ihnen zurückkehrt, dann werden sie ihr Leben sicherlich ändern!‹ ° Doch Abraham sagte: ›Wenn sie Mose und die Propheten nicht ernst nehmen, dann werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn einer von den Toten wieder aufersteht.‹«