Hiob 3
HFA
3
Auseinandersetzung zwischen Hiob und seinen Freunden
(Kapitel 3–28)
Warum muss ich noch leben?
1Dann erst begann Hiob zu sprechen. Er verfluchte den Tag seiner Geburt 2und sagte:
3»Ausgelöscht sei der Tag,
an dem ich geboren wurde,
und auch die Nacht,
in der man sagte: ›Es ist ein Junge!‹.
4Jener Tag versinke in tiefer Finsternis –
kein Licht soll ihn erhellen!
Selbst Gott da oben vergesse ihn!
5Ja, der Tod soll ihn holen – diesen Tag!
Ich wünschte, dass sich dunkle Wolken auf ihn legten
und die Finsternis sein Licht erstickte!
6Für immer soll sie dunkel bleiben –
die Nacht meiner Geburt!
Ausgelöscht sei sie aus dem Jahreskreis,
nie wieder erscheine sie auf dem Kalender!
7Stumm und öde soll sie sein,
eine Nacht, in der sich keiner mehr freut!
8Verfluchen sollen sie die Zauberer,
die Tag und Nacht verwünschen können
und die den Leviatan#3,8 Bildhafte Redeweise für gottfeindliche Schicksalsmächte., dieses Ungeheuer, wecken!
9Jene Nacht soll finster bleiben,
ohne alle Sternenpracht!
Vergeblich warte sie aufs Sonnenlicht,
die Strahlen des Morgenrots sehe sie nicht!
10Denn sie ließ zu, dass meine Mutter mich empfing,
die Mühen des Lebens hat sie mir nicht erspart.
11Warum bin ich nicht bei der Geburt gestorben,
als ich aus dem Leib meiner Mutter kam?
12Wozu hat sie mich auf den Knien gewiegt
und an ihrer Brust gestillt?
13Wenn ich tot wäre,
dann läge ich jetzt ungestört,
hätte Ruhe und würde schlafen,
14so wie die Könige und ihre Berater,
die sich hier prachtvolle Paläste bauten – längst zu Ruinen zerfallen –,
15und wie die Herrscher,
die Gold und Silber besaßen
und ihre Häuser damit füllten.
16Warum wurde ich nicht wie eine Fehlgeburt verscharrt,
wie Totgeborene, die nie das Tageslicht sahen?
17Bei den Toten können die Gottlosen nichts mehr anrichten,
und ihre Opfer haben endlich Ruhe.
18Auch die Gefangenen lässt man dort in Frieden;
sie hören nicht mehr das Geschrei des Aufsehers.
19Ob groß oder klein: Dort sind alle gleich,
und der Sklave ist seinen Herrn los.
20Warum nur lässt Gott die Menschen leben?
Sie mühen sich ab, sind verbittert und ohne Hoffnung.
21Sie sehnen sich den Tod herbei –
aber er kommt nicht!
Sie suchen ihn mehr als verborgene Schätze,
22und erst wenn sie endlich im Grab ruhen,
empfinden sie die größte Freude!
23Warum muss ich noch leben?
Gott hat mich eingepfercht;
ich sehe nur noch Dunkelheit!
24Schmerzensschreie sind mein tägliches Brot,
und das Stöhnen bricht aus mir heraus.
25Meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen,
und wovor mir immer graute – das ist jetzt da!
26Ohne Ruhe und Frieden lebe ich dahin,
getrieben von endloser Qual!«

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