Frei:SeinSample

Tag 6: Frei zum Leben, nach dem du dich sehnst (Römer 7,15-25; Römer 6,1-14; Johannes 8,31-36; Psalm 25)
Kennst du diese schmerzhafte Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit? Manchmal betrifft das reine Äußerlichkeiten: Man hätte lieber lockige statt glatten Haaren, wäre gern ein bisschen beliebter oder wünscht sich einen grünen Daumen, um die Zimmerpflanzen endlich am Leben zu halten. Manchmal geht diese Spannung aber tiefer und wird zu einer Enttäuschung über die Art Mensch, die man geworden ist. Der ehemalige Willow-Creek-Pastor John Ortberg beschreibt (wie ich finde sehr berührend) seine Enttäuschung von sich als Vater:
„Wenn ich nachts zu meinen schlafenden Kindern ins Zimmer schaue, dann denke ich daran, was für ein Vater ich gern wäre. Ich möchte in der Lage sein, magische Augenblicke mit den Kindern zu schaffen. Ich würde sie gerne zum Lachen bringen, bis ihnen die Tränen kommen… Ich wünsche mir ruhige, herzerwärmende Gespräche mit ihnen vor dem Einschlafen. Ich möchte (…) sie so in den Arm nehmen und für sie beten, dass sie sich liebevoll umsorgt fühlen. Ich schaue nachts bei ihnen herein… und denke daran zurück, wie der Tag in Wirklichkeit abgelaufen ist … Wie meine Tochter beim Essen Kirschsaft verschüttet hat und ich sie angebrüllt habe, dass sie gefälligst aufpassen soll, als ob sie gerade einen schrecklichen Charakterfehler offenbart hätte… Ich erinnere mich, dass wir am Abend keine geruhsamen Unterhaltungen hatten, sondern ich die Kinder hastig ins Bett getrieben habe, um mehr Zeit für mich alleine zu haben.“
Auch mir kommen Augenblicke in den Sinn, die ich im Nachhinein gerne aus dem Protokoll meines Lebens streichen würde. Den Wunsch vom Psalmenbeter kann ich verstehen: „Denk nicht mehr an die Sünden meiner Jugend und vergiss meine Vergehen von damals! Denk stattdessen in deiner Gnade an mich – du bist doch voller Güte!“ (Psalm 25,7) Dabei würde ich von mir selbst sagen, dass ich eigentlich von Herzen gut sein möchte. Mit ein bisschen Abstand und Zeit weiß ich oft, was „das Richtige“ wäre. Darin liegt aus meiner Sicht eine Art „Echo“ unserer Bestimmung, das immer noch in unserem Herzen klingt. Wir sind zur Partnerschaft mit Gott in dieser Welt angelegt.
Der Apostel Paulus beschreibt diesen inneren Zwiespalt so: „Ich mache also ständig dieselbe Erfahrung: Das Gute will ich tun, aber ich tue unausweichlich das Böse.“ (Römer 7,21). Für ihn ist das eine Form der Gefangenschaft: „Nicht ich selbst tue das Böse, sondern die Sünde, die in mir wohnt, treibt mich dazu. Ich weiß wohl, dass in mir nichts Gutes wohnt. Zwar habe ich durchaus den Wunsch, das Gute zu tun, aber es fehlt mir die Kraft dazu.“ (Römer 7,17-18). Ja, das lässt einen manchmal ganz schön ratlos zurück, wenn man wieder nicht das tut, was man eigentlich gut findet. Ganz hochphilosophisch gesagt: Unser Menschsein hat einen Bruch. Der innere Zwiespalt ist ein Symptom unserer Trennung von Gott. Und dafür brauchen wir Heilung. Doch leider können wir uns nicht an den eigenen Schnürsenkeln aus dem Morast ziehen.
Hier kommt Christus in Spiel. Der Freiheitsschlag ist schon passiert, in Seinem Tod am Kreuz und Seiner Auferstehung. In der Taufe, sagt Paulus, vollziehen wir Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung in unserem eigenen Leben mit. Wir sterben der Sünde, dem Bösen in uns. Und empfangen ein neues, göttliches, ewiges Leben als Gottesgeschenk. Das ist ein Geheimnis mit vielen Facetten. Eine davon: Gott macht uns frei von der Macht des Bösen in unserem Leben. „Die Sünde hat ihre Macht über euch verloren“, spricht Paulus der Gemeinde in Rom zu (Römer 6,14). Das ist die Medizin, die den Bruch in unserem Leben heilen kann.
So etwas hört man schnell auf dem Appell-Ohr. Es geht aber nicht um geistlichen Erfolg oder moralische Leistung. Hinter der Veränderung steht allein Gottes Handeln: „Was wir jetzt sind, ist allein Gottes Werk. Er hat uns durch Jesus Christus neu geschaffen, um Gutes zu tun. Damit erfüllen wir nun, was Gott schon im Voraus für uns vorbereitet hat.“ (Epheser 2,10). Das ist also ein positiver Zuspruch: Veränderung ist möglich. Du kannst frei werden von dem, was dich gefangen hält. Und frei zum Leben, nach dem du dich sehnst, wie John Ortberg es sagt. Ganz ohne Anspruch auf Vollkommenheit (Römer 7,25). Gott bringt unsere Lebensgeschichte durch alle Fehlschläge und Brüche hindurch ans Ziel. Das ist die Freiheit durch Christus: „Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei.“ (Johannes 8,36)
Frei von allem, was von Gott trennt. Frei von allem, was im Leben gefangen nimmt. Und endlich frei zu unserer Bestimmung. Das zu spüren kann einen schon mal befreit aufatmen lassen.
Impulse zum Weiterdenken
1. Versuche dich einmal für einen Tag oder sogar eine Woche daran, etwas von dem Guten, das du weißt, in die Tat umzusetzen. Welche Widerstände begegnen dir?
2. Nimm dir abends Zeit für ein Examen-Gebet. Dabei geht es nicht um eine Klassenarbeit. Vielmehr geht man dabei einmal mental den Tag durch. In welchen Momenten hast du ein Scheitern am Ideal bemerkt, wie bei John Ortbergs Anekdote? Wann ist es dir gelungen, etwas Gutes zu tun?
3. Wenn Gott dir volle Freiheit schenken würde, gut zu sein: Was würdest du tun? Mach die Ideen, die dir kommen, zu Gebetsanliegen für die Woche nach diesem Leseplan. Notiere sie vielleicht sogar in einem Notizbuch oder auf dem Handy.
Das war ein Leseplan von Compassion Deutschland. Wir wünschen dir, dass du Gottes Freiheit in deinem Leben spüren und erleben kannst. Willst du selbst ein Teil von Gottes Befreiungsgeschichten sein? Stelle dich durch deine Patenschaft oder Spende an die Seite der weltweiten Gemeinde, die im Namen Jesu Menschen aus Armut befreit. Mehr unter: www.compassion.de
About this Plan

Freiheit. Allein das Wort weckt Sehnsucht nach Leichtigkeit und Aufatmen. Wie gut, dass Gott mit uns Menschen Befreiungsgeschichten schreibt. Doch was für eine Freiheit schenkt Gott? Und wo taucht sie in unserem Leben auf? Dieser Leseplan geht der Vision von Freiheit auf die Spur, die uns die Bibel vor Augen malt. Zum Anhören und Selberlesen.
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