Frei:SeinBeispiel

Frei:Sein

Tag 1 von 6

Tag 1: Ein Gott, der Befreiungsgeschichten schreibt (2. Mose 1,1-14; 2. Mose 2,23-25; 2. Mose 3,1-10)

Ebenezar arbeitet auf einem Fischerboot im Volta-See in Ghana, dem größten Stausee der Welt. Die Fischindustrie dort boomt. Große Profite winken. Doch Ebenezar arbeitet nicht aus frien Stücken – er ist gerade einmal sechs Jahre alt. Seine Urgroßmutter hatte ihn großgezogen und dann ihn in die Obhut eines Mannes gegeben, der ihr seine Hilfe angeboten hatte. Doch statt in einer besseren Zukunft landete Ebenezar in moderner Sklaverei: Netze flicken, tauchen, Fische schleppen.

„Eigentlich eine Arbeit für Männer“, sagt Henry Amanor vom New-Ningo-Methodist-Kinderzentrum bei Compassion Ghana. Das Muster ist ihm bekannt: Arme Familien werden mit falschen Versprechen und Geld geblendet. Ein Kind abzugeben, wirkt wie eine großartige Chance, der lang ersehnte Ausweg aus Mangel und Armut. Doch dann werden die Kinder ausgebeutet, obwohl Kinderarbeit in Ghana schon längst verboten ist. Ebenezar ist nur einer von tausenden. In den drei Jahren Arbeit verdiente er gerade einmal 50 Euro. Mit neun überlebte er knapp einen Sturm und kehrte zwar lebendig, aber innerlich gebrochen, zu seiner Urgroßmutter zurück.

Auch eine der wichtigsten Geschichten der Bibel beginnt in der Unfreiheit. Die Israeliten lebten in Ägypten in der Sklaverei. Damit wollte der Pharao das fremde Volk in seinem Land kleinhalten. Diese Situation hielt über Jahrzehnte an und endete nicht einmal mit dem Tod des Pharaos: „Viele Jahre später starb der König von Ägypten. Aber die Israeliten stöhnten weiter unter der Zwangsarbeit und schrien verzweifelt um Hilfe.“ Doch dabei bleibt es nicht: „Gott war das alles nicht entgangen. Er hörte ihr Klagen und dachte an den Bund, den er einst mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen hatte. Ja, Gott hatte die Israeliten nicht vergessen; er wusste, was zu tun war.“ Er beruft Mose am brennenden Dornbusch, um sein Volk zu befreien – sie aus Ägypten herauszuführen in ein „gutes und weites Land, darin Milch und Honig fließen“ (2. Mose 3,8).

Diese Befreiungsgeschichte Israels mit Gott, der Exodus, bedeutet: Befreiung von dem, was gefangen hält, hinein in ein neues Leben mit Gott. Freiheit ist die Chance auf einen Neustart. Auch heute noch schreibt der Gott des Exodus Befreiungsgeschichten. Ebenezars Geschichte ist eine davon.

Nach seiner Rückkehr fand Ebenezar in der Gemeinde Halt und Unterstützung. Er ging wieder zur Schule und gewann neues Selbstvertrauen. Als junger Mann träumt er nun davon, Ingenieur zu werden. Sein Wunsch? Ein besseres Leben für seine Familie. Man könnte auch sagen: ein „gutes und weites Land.“

Impulse zum Weiterdenken

1. Warum ist Gott ein Gott, der Befreiungsgeschichten schreibt? Welchen Wert hat unsere Freiheit aus Seiner Perspektive?

2. „Freiheit ist die Chance auf einen Neustart.“ In welchem Lebensbereich wünschst du dir so einen Neustart?

3. Willst du mehr über Ebenezar und Henry Amanor erfahren? Schau den Compassion-Filmgottesdienst unter www.compassion.de/filmgottesdienst/frei-sein/

Über diesen Leseplan

Frei:Sein

Freiheit. Allein das Wort weckt Sehnsucht nach Leichtigkeit und Aufatmen. Wie gut, dass Gott mit uns Menschen Befreiungsgeschichten schreibt. Doch was für eine Freiheit schenkt Gott? Und wo taucht sie in unserem Leben auf? Dieser Leseplan geht der Vision von Freiheit auf die Spur, die uns die Bibel vor Augen malt. Zum Anhören und Selberlesen.

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Wir möchten uns bei Compassion Deutschland für die Bereitstellung dieses Plans bedanken. Weitere Informationen finden Sie unter: compassion.de