Auf der Flucht: Gottes Herz für Flüchtlinge

Andacht

Jesus am Rande der Gesellschaft


In der Bibel finden wir viel darüber, wie wir Flüchtlinge behandeln sollen. In gewisser Weise ist die Bibel aber auch selbst eine Geschichte über Flüchtlinge. Viele Glaubenshelden wie etwa Jakob, Mose, David oder Elia wurden an der ein oder anderen Stelle selbst verfolgt und mussten fliehen. Es gibt aber keinen wichtigeren Flüchtling als Jesus selbst.


In unseren Krippenspielen und Weihnachtsaufführungen kommen meist die drei Weisen aus dem Morgenland vor, die Geschenke bringen. Die Geschichte endet aber meist kurz bevor Jesus, Maria und Joseph gezwungen waren, vor der tyrannischen Herrschaft des Königs Herodes zu flüchten. Die Bibel sagt uns nur wenig darüber, wie Jesus, Maria und Joseph nach ihrer Ankunft in Ägypten behandelt wurden. Wir können nur spekulieren: Konnten sie eine Unterkunft finden? Wurden sie willkommen geheißen oder schikaniert? Beklagten sich die örtlichen Zimmerleute darüber, dass Joseph ihre Löhne drückte? Wurde Jesus verdächtigt, Krankheiten zu verbreiten?


Nachdem Jesus Sein irdisches Leben am Rande der Gesellschaft begonnen hatte, zeigte Er während seines gesamten Wirkens, dass Er sich um die Menschen am Rande der Gesellschaft kümmerte, wie zum Beispiel um die Samariter. Samariter wurden von den meisten Juden als nicht „gut“ eingeordnet: Sie galten als ketzerische Ausländer. Einmal schlugen einige der Jünger Jesu sogar vor, Feuer auf ein samaritisches Dorf herabzurufen, eine Idee, die Jesus sofort zurückwies.


Jesu Einstellung zu diesen ausgegrenzten Ausländern war unbequem: Er „musste durch Samaria gehen“, auch wenn es andere, weniger direkte Wege gab, die einige Juden vielleicht bevorzugt hätten, um den Kontakt mit Samaritern zu vermeiden. Unterwegs ging Er dann mitfühlend auf eine samaritische Frau zu, offenbarte sich ihr als der Messias und rüstete sie aus, um zu den ersten Evangelisten zu gehören. An anderer Stelle, als ein Samariter der Einzige von zehn Aussätzigen war, der nach seiner Heilung zurückkehrte, lobte Jesus diesen Samariter als ein Vorbild für Dankbarkeit.


In besonderem Maße aber stellte Jesus einen Samariter als Vorbild für die Nächstenliebe vor. In einem Seiner bekanntesten Gleichnisse sieht ein „barmherziger Samariter“ einen ungeschützten Reisenden, der verprügelt am Straßenrand liegt und hat Mitleid mit ihm. Jesus befiehlt uns: „Geh und folge seinem Beispiel“. Dass dies mit Risiken oder Kosten verbunden sein kann, so wie es für diesen Samariter sicherlich der Fall war, ist für den Auftrag zu lieben nicht relevant.


Fragen zum Nachdenken:


1. Wie könnte die Erfahrung Jesu als Flüchtling Seinen eigenen Dienst an den Menschen am Rande der Gesellschaft beeinflusst haben?


2. Wer sind die hilfsbedürftigen Nachbarn, bei denen Jesus dich aufrufen könnte, sie zu lieben?