Wort - Begeistert vom Buch der Bücher

Tag 5 von 8 • Tageslesung

Andacht

LEBEN


MEDITATION


Wenn wir in unserer Gesellschaft etwas bewirken wollen, müssen wir manchmal innehalten und uns die richtigen Fragen stellen: Warum tun wir, was wir tun? Was motiviert unser Engagement für soziale Gerechtigkeit? Welches sind die wirklichen Bedürfnisse? Wir alle sollten Experten für die Bedürfnisse der Menschen um uns herum werden. 


Jesus wusste, wie man Fragen stellt. Dies ist der klügste Weg, Menschen in ihrem Reifungsprozess zu helfen. Darüber hinaus machte Er sich für Menschen zugänglich, die Ihm Fragen stellen wollten. Es gab etwas, das Menschen aller Klassen und Generationen zu Jesus hinzog. 


Ein Gesetzeslehrer, ein Spezialist betreffend Thora, trat an Jesus heran und fragte: «Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?» Als guter Rabbiner antwortete ihm Jesus mit der Frage: «Was steht im Gesetz geschrieben?» Er antwortete: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst» - «Du hast recht geantwortet», sagte Jesus, «tu das, so wirst du leben».


Das Gespräch hätte sehr gut hier enden können. Aber der Gesetzeslehrer wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: «Wer ist denn mein Nächster?» Jesus antwortete mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Zum Schluss stellte Er eine weitere Frage: «Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war?» (Lukas 10,25-29; 36) Dieser Rechtsexperte entdeckt, dass soziale Gerechtigkeit (die Respektierung von Gottes Willen) einfach damit beginnt, ein Nächster zu sein, indem man Mitgefühl zeigt, wo immer man ist. 


Jeder Christ ist aufgerufen, ein Nächster zu sein, mit anderen in Kontakt zu stehen. Wir haben keine Kontrolle darüber, wer unsere Nachbarn sind, aber wir haben die volle Freiheit, als «Nächster» für andere richtig zu handeln. Lass uns Nächste werden. Öffnen wir unsere Augen für die Realität. Durch konkrete Handlungen, durch unsere Art, zu handeln, ruft Jesus uns auf, eine gerechtere Welt zu schaffen. Unser Engagement schließt zwei Beziehungen ein: die zu Gott und die zu unserem Nächsten - es ist ein und dieselbe Berufung. Gottes Gerechtigkeit ist immer sozial. Lass uns gemeinsam Seine Gerechtigkeit suchen. Menschen lesen vielleicht nicht die Bibel, aber sie lesen unser Leben. «Geh und handle!»: Dies ist die Herausforderung, die General William Booth, der Gründer der Heilsarmee, seinem Sohn Bramwell stellte, nachdem er die Notlage vieler Obdachloser in London gesehen hatte. Geh und lebe das Evangelium!




RELFEXIONSFRAGEN



  • Das Handeln des barmherzigen Samariters hat ihn etwas gekostet. Bin ich bereit, mich auch zu engagieren, wenn es mich etwas kostet?

  • Der Samariter bat den Gastwirt um Hilfe, indem er ihm seinen Nächsten anvertraute. Kenne ich Menschen, auch ausserhalb meines Kreises, die mir in meinem sozialen Engagement helfen können?

  • Gibt es Fragen, die ich mir stelle und die mich in meinem sozialen Engagement blockieren?

  • Was bedeutet es, von Mitgefühl erfüllt zu sein?




GEBETSANLIEGEN



  • Dass wir uns der sozialen Bedürfnisse in unserer eigenen Nachbarschaft bewusst werden.

  • Für Mut zum Gehorsam, wenn der Herr uns sagt: «Dann geh und mach es ebenso.»

  • Dass wir wie Jesus zugänglich sind für diejenigen, die Fragen haben.

  • Dass wir unsere Augen öffnen können für diejenigen, die andere vielleicht ignorieren.




SO KÖNNTE ICH BETEN


Herr, ich frage mich: Was ist göttlich in meinem Glaubensbekenntnis, wenn ich blind für menschliche Bedürfnisse bin? Es erfordert Mut, Gerechtigkeit zu suchen, gegen den Strom zu schwimmen, aber Du hast mir einen klaren Auftrag  gegeben, zu gehen und zu tun, wie der barmherzige Samariter. Öffne meine Augen und mein Herz, um auf dem Weg, den ich heute beschreite, für menschliche Bedürfnisse sensibel zu werden. Möge Dein Geist des Mitgefühls mich zum Handeln bewegen, während ich mich zusammen mit anderen darum bemühe, Dein Königreich hier auf Erden auszubreiten. Gemeinsam suchen wir Gerechtigkeit, Deine Gerechtigkeit. Amen.




E. Jane Paone, Schweiz, ehem. Heilsarmee-Kommissärin für die Schweiz, Österreich und Ungarn.